Glockengießerei

Glockengießen? Wer weiß, wie das geht?

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Als im Jahr 2000 ein kleiner Glockenturm im Moorlicht gebaut wurde und ich lange daran herum geknobelt habe, wo ich eine echte Glocke bekommen könnte und wie sie denn fachgerecht aufgehängt werden müsse, blieb bei mir der Wunsch, eines Tages einmal eine echte Glockengießerei zu finden und zu besuchen. Und dann begegnete mir im Jahr 2012 ein Artikel in der Zeitschrift „a tempo“ über die „Eifeler Glockengießerei“ in Brockscheid in der Eifel. Da wir ja nun bekannter weise in jedem Jahr in den Schwarzwald fahren, war die Idee schnell geboren: Wir werden einen kleinen Umweg fahren und kurzerhand war ein Besuchstermin vor Ort verabredet. Google macht’s möglich und nach 3,5 Std. Fahrzeit erreichen wir (die Feriengruppe) tatsächlich einen winzig kleinen, etwas verschlafenen Ort in der Eifel und stehen vor einem etwas altertümlichen Fabrikgebäude. Grau, verschlossen und nicht sehr einladend. Aber wir hatten uns ja angemeldet und da musste doch jemand auf uns warten. Unverhofft öffnet sich ein großes, altes Tor und eine Gruppe Menschen tritt heraus, zusammen mit einem älteren Herrn, der uns zuruft, dass wir dann doch gleich an der Reihe seien mit einer Besichtigung. Wir geben ihm 10 Minuten Verschnaufpause und dann ist er für uns da. Eine sogenannte Zeitreise beginnt für uns, denn das, was wir dort zu sehen bekommen, ist erst mal alt und staubig und überhaupt nicht ansprechend. Uraltes Werkzeug in den Ecken, Schutthaufen, eine riesige leere Grube, stapelweise Ziegel, große Rührwannen, am Rande auch ein gemauerter Glockenkern und eigentlich nichts Spannendes. Aber nach und nach bekommen wir museumsmässig alles erklärt, z.B. dass alle benötigten Materialien wie vor 400 Jahren geblieben sind - man höre und staune: Lehm, Rinderhaar, Pferdemist, Ziegel, Wasser, Holzkohle, Wachs, Granitpulver, Mutterboden, Zinn und Kupfer und nicht zuletzt Leder. Und dann beginnt der nette, uns führende Herr, zu erklären und zu erläutern. Wer weiß denn schon, dass ein gewünschter Glockenton der erste Akt zur Entwicklung von Größe und Dicke und Wandprofil ist? Schon hier erfahren wir, dass es sich um ein Familiengeheimnis handelt, was hier seit Jahrhunderten sorgsam gehütet wird. Wir erfahren auch, dass es nur noch 4 oder 5 Glockengießereien in Deutschland gibt und dass die Aufträge zum Teil aus weit entfernten Ländern kommen. Aber wie geht das denn nun alles? Wir sehen, dass der Anfang also per Computer gemacht wurde, dass dann aber pure Handarbeit angesagt ist. Die Urform der Glocke wird gemauert und dann verputzt. Und dann wird mit einer großen, am Glockenkopf montierten Holz-Schablone rundherum die runde Form mit verschiedenen Rillen und Aufkantungen „abgedreht“. Das Ganze wird dann wohl umhüllt mit Wachs und Pferdehaarschichten. Im Inneren des gemauerten Kerns ist ein Hohlraum, der nun angefeuert wird, damit die gemauerte Glocke langsam trocknet. Dann werden die Inschriften oder Bilder auf dieser Wachs- und Haar-Schicht ausmodelliert. Und nun wird eine nächste dicke Lehmschicht aufgebracht und getrocknet. Dieses ganze „Monster“ befindet sich bereits in der großen Grube. Dort werden mehrere Glocken gleichzeitig vorbereitet, deshalb dauert es oft sehr lange, bis der Besteller seine Glocke bekommt. Selbst die Vorbereitung einer Glocke dauert fast 3 Monate. Jetzt wird das Feuer unter der Glocke noch einmal kräftig aufgeheizt und die Wachsschicht schmilzt. Ein Hohlraum entsteht zwischen der gemauerten Glockenform und der aufgebrachten Lehmform. Und jetzt passiert eigentlich erst das, was wir aus "Schillers Glocke" ja kennen: die Zwischenräume zwischen den einzeln aufgebockten Glocken werden mit Erde aufgefüllt (ein Areal von ca. 7x7Metern). Dann erst wird der riesige Schmelzofen in 24 Stunden auf 1000 Grad angefeuert . Das geschmolzene Kupfer und Zinn wird nun über Zuleitungskanäle in die Hohlräume geleitet. In diesem Zwischenraum entsteht die neue Glockenwand. 14 Tage lang muss nun das Ganze abkühlen und erst dann kann die Glockenmeisterin (es ist tatsächlich eine Frau, die hier das Glockengießer-Geheimnis weiter praktiziert) prüfen, ob der Glockenton so ist, wie sie es sich vorher errechnet hat. Das sind sicher alles sehr aufregende und auch heilige Momente, die wir aber leider nicht miterleben können, denn das ist jetzt gerade nicht angesagt. Aber wir können uns lebhaft vorstellen, was hier in solchen Momenten los ist. Vielleicht übersteigt es ja auch gerade unser Verständnis Vermögen – aber es war dennoch ein wirklich aufregendes, anschauliches Erlebnis. Dieser Abstecher hat sich gelohnt! www.glockengiesser.de Gudrun Dormann 
 

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