Wandel im Leben….. Umwandlung……………?

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„Abschied von der Selbstverständlichkeit“ – oder einfach mal was Neues?

5 x 7 Lebensjahre .... 35 Jahre Berufserfahrung... was treibt mich, über Veränderung nachzudenken?

Ist es einfach nur der Zweifel, über sich selbst oder die Gegebenheiten nachzudenken? Ist es die Flucht vor der Langweiligkeit?

Eigentlich ist man doch als in die Jahre gekommener Mensch auf der sicheren Seite. Geben wir uns doch zufrieden und vermeiden wir die tiefgehenden Fragen nach dem wie und warum. Das ist doch eher langweilig – nehmen wir den Menschen doch einfach nur als wunderbares, großes Rätsel, sicher auch hin und wieder als tragisches Ergebnis seines persönlichen Lebenslaufes und gut ist es. Die Medien sind voller interessanter Dinge .... was bringt mir das Infragestellen meiner eigenen Entwicklung? Sollten wir nicht einfach nur zufrieden sein mit dem, was ist?

Das Urbild des strebenden Menschen ist aber doch unsere Fähigkeit zum Zweifeln, die Akzeptanz zur Metamorphose des Bewusstseins. Schauen wir auf das Thema Umwandlung im Lebenslauf eines Menschen, ist es doch so:

  • ein kleines Kind lebt in der völligen Hinnahme und Hingabe an seine Umwelt und an die es begleitenden Menschen
  • in der Pubertät entsteht Unzufriedenheit. Der junge Mensch beginnt zu zweifeln. Sind die Menschen seiner Umgebung eigentlich richtig? Sind sie so unfehlbar, wie sie immer tun? So wie sich die Welt nun darstellt, so wie sie nun mal ist... ist sie einfach nur richtig? Enttäuschung stellt sich ein.

Es entsteht das Streben nach „anders“, nach Veränderung, nach Verwandlung. Das Outfit wird verändert, die herkömmlichen Berufe werden verworfen, die ewig gleich bleibenden Urlaubsorte werden in Frage gestellt, man will die Welt kennenlernen, jetzt muss erst einmal die Asienreise vor der Versklavung der Berufswelt her und dann wird sich hoffentlich Zufriedenheit einstellen.

 

 

  • Das ist dann das verständliche Verlangen nach der idealen Welt. Leider öffnen sich bei der Suche nach diesem idealen Weltbild häufig Irrwege:
  • passive Bewustseinstrübungen mit dem Ergebnis von z.B. Magersucht, falschem Essverhalten bis hin zur Depression
  • oder es wird ein stilles Wachsen im geduldigen Erwarten, was das Leben hoffentlich bringen wird
  • der idealere Weg wäre wohl eine Aufgabe für den Erzieher, als Vorbild, als Hoffnungsträger zur Entwicklung zum echten Menschsein mit der Aussage:

„Halte deine Augen offen, mach Dich auf den Weg. Lerne das Leben und die Menschen kennen, indem du darauf eingehst. Versuche, das du das, was du nun einmal tun musst, gern tust und hab Vertrauen in das, was da kommen mag

Denn alle Kraft dringt vorwärts in die Weite,
Zu leben und zu wirken hier und dort.
Dagegen engt und hemmt von jeder Seite
Der Strom der Welt und reißt uns mit sich fort.
In diesem innern Sturm und äußern Streite
Vernimmt der Geist ein schwer verstanden Wort:
Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.
J.W.v. Goethe

Erwachsenensymptome der nicht gelebten Hoffnungen sind heutzutage die gängigen Erscheinungen „Burnout“, „Depression“, „Überspanntheit“, „chronische Erschöpfung“ usw. Da rumort etwas auf dem Boden der Seele. Es bedarf größter Willenskraft, um sich dann aus diesen Banden zu befreien. Gerade die Frage der Willenskraft tritt uns ja schon im Jugendalter deutlich entgegen. Nicht die Kraft des Überschreiens oder aus Prinzip gegen etwas zu sein ist gefragt, sondern die Kraft des Hinterfragens, des Verstehens, nicht ausschließlich auf der intellektuellen Ebene, sondern viel mehr auf der Ebene des Verstehenwollens des Mitmenschens, der Gefühlslage des anderen, der sozialen Zusammenhänge. Dabei geht es keinesfalls um Selbstaufopferung oder gar um irreale Visionen, sondern um die Liebe zur Entwicklung, zum inneren Streben nach weitergehender Vollkommenheit von Denken, Fühlen und Wollen.

Die ärgsten Feinde dieses Strebens sind „Lust am Spott“, „Zweifel an allem und jedem“, „Vorurteile jeglicher Art“ und vor allem „die Angst“ im weitesten Sinne.

Deutlich wird an dieser Stelle, dass das Streben nach Vollkommenheit selbstverständlich nur auf der Basis des gestärkten „Selbst“ agieren kann. Hier geht es um das Gleichgewichthalten von Unbefangenheit, Kraft, Positivität und Heiterkeit im Kontext mit der umgebenden Welt. Vielleicht wäre man dann ein „angenehmer Mensch“, halt einer, der annimmt und angenommen ist.

Ziel wäre also, von einer passiv träumenden, in sich selbst versponnenen Seele zu einer aktiven, bewussten Seelenhaltung zu kommen.

Und dazu gehört, so bin ich mir inzwischen sicher, ein stetiger Wille, Umwandlung und Veränderung zu akzeptieren und zu wollen.

                                                                                        Gudrun Dormann